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Wahrheit

 

Das Enfant Terrible

Der kleine DeForest ist ein Werbestar. Von jeder "Mellins" Babynahrungsdose strahlt sein wunderhübsches Bild. Und natürlich haben seine gut betuchten Eltern Großes mit ihm vor. Privatschule in Andover, danach Medizinstudium in Yale. Doch DeForest erfüllt die hochgesteckten Erwartungen seiner Eltern nicht. Er fällt durch alle Prüfungen. Yale wird ihn nie zu Gesicht bekommen. Er hat einen anderen Traum: Er will auf die Bühne. Die hämische Antwort der Kritik auf seine erste größere Rolle: DeForest, schlichtweg eine Fehlbesetzung. Nach zwölf harten Jahren dann der Durchbruch. Ein erster großer Filmerfolg. Danach verdämmert sein Talent am Set im ewigen Schwarzweiß der Nebenrollen. Nach sieben langen Jahren endlich wieder eine Hauptrolle. Ein Film der C-Klasse mit miserablen Bedingungen. Drehzeit: 50 Tage. Drehbuch: noch nicht fertig. Regie: ein Nobody aus Ungarn. Aber DeForest akzeptiert sofort. Die Rolle des sentimentalen Widerständlers mit dem galligen Witz und der angeschlagenen Seele ist genau sein Fall. Nur eines stört ihn. Der Typ braucht mehr Substanz. Die wird DeForest ihm geben. Er wird ihm seinen Stempel aufdrücken. Seine Sätze, seine Mimik, seine Gesten werden zeigen: Da spielt ein Kerl, der sich mit dem Leben auskennt wie kein anderer. Und dieser Kerl wird im weißen Smoking, immer eine schwarze Zigarette oder einen Drink zur Hand, entscheiden über Freiheit, Liebe, Tod. Ausgerechnet der Film eines ungarischen Nobody, eigentlich ein vorprogrammierter Flop, verhalf "Mellins" Babyface nach 40 Jahren endlich zum Durchbruch.

Für seine Rolle als Rick Blaine in Casablanca wird Humphrey DeForest Bogart für den Oscar nominiert.

 

Das Kellerkind

Arnheim, März 1945. Die Niederlande sind von den Deutschen besetzt. Die Familie van Heemstra hat Kontakt zum holländischen Widerstand. Eines Tages gerät Edda van Heemstra, die 15-jährige Tochter der Familie, in eine Nazipatroullie. Der Name van Heemstra steht in den Fahnungslisten. Der Abtransport in ein KZ steht ihr bevor. Nur einen Augenblick lang lassen ihre Bewacher sie aus den Augen. Und Edda läuft so schnell wie nie zuvor in ihrem Leben. Und rettet sich. In einen Keller. Einen Kanten Brot und eine Flasche Apfelsaft, das ist alles, was sie hat. Und damit muss sie auskommen. Dunkel ist es in dem Keller. Und feucht. Und kalt. Nach ein paar Tagen hat sie den letzten Krümel Brot gegessen. Sie trinkt nur, wenn sie es gar nicht mehr aushält. Jeder neue Tag steigert ihre Qual. Wiviel Zeit ist inzwischen vergangen? Ist es Tag oder Nacht? Sie kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Die letzten Tropfen Apfelsaft hat sie vom Flaschendeckel geleckt. Vor langer, langer Zeit. Ihre Lippen sind aufgeplatzt. Ihre Zunge ist angeschwollen. Sie muss weg hier. Mit letzter Kraft schleppt sie sich auf die Straße. Sie hat Glück. Es ist Nacht. Und keine deutschen Soldaten in der Nähe. Ihre Mutter erkennt das hohlwangige, elende Geschöpf kaum wieder, als Edda vor ihr steht. Schwere Gelbsucht, stellt ein Arzt fest. Ganze 25 Tage hat die Fünfzehnjährige im Keller ausgehalten. Edda wird sich von dieser Tortur nie wieder ganz erholen. Ihr ganzes Leben lang wird sie dieses fast zerbrechliche Wesen bleiben. Aber gerade diese fragile Zartheit wird man später an ihr rühmen, der "Elfe von Hollywood".

Denn aus dem hohlwangigen Kellerkind Edda van Heemstra wird eine der berühmtesten Schauspielerinnen der Welt: Audrey Hepburn.

 

Der Stoff, aus dem die Träume sind

Das Aufregendste in der kalifornischen Kleinbürgerstadt Van Nuys sind die Radkappen der Straßenkreuzer. Die schraubt Charles heimlich ab und verkauft sie für 20 Dollar auf dem Schrottplatz. Aber geklautes Chrom ist nicht der Stoff, aus dem die Träume sind. Deshalb geht Charles nach Paris. Auf dem Montmartre zeichnet er tagsüber Portraits und malt farbenprächtige Epen in Öl, die niemand haben will. Charles hat seinen Pinsel mitten ins Leben getaucht und muss feststellen, dass es ihm außer einer Fülle von Eindrücken nur eines einbringt: chronischen Hunger. Nachts wartet er in Harry's Bar darauf, dass ihm ein reicher Amerikaner ein Essen ausgibt oder einen Drink spendiert. Nein der Montmartre ist kein guter Platz für den Bohemien aus Kalifornien. Charles packt seine Habseligkeiten und macht sich wieder auf den Weg. Der Abenteurer trampt durch Deutschland und Griechenland und Italien. In Florenz will er ernsthaft Malerei studieren. Auch wenn er dafür wieder hungern muss. Doch der Professor an der Kunstschule schüttelt nur den Kopf. Viel Ehrgeiz, aber zu wenig Talent. Zu wenig, um von seiner Malerei je leben zu können. Charles ist am Boden zerstört. Völlig abgebrannt und desillusioniert kehrt er zurück in die USA, nach Los Angeles. Und überlegt sich, wer den finalen Pinselstrich ziehen soll: ein Zug oder ein Lastwagen? Wer weiß, was passiert wäre, hätte er Lola nicht getroffen. Sie hört ihm zu. Nächtelang. Und baut ihn auf. Im September 1956 heiraten sie, einen Monat nach seinem 19. Geburtstag. Für seine Karriere, die Charles jetzt startet, zahlt es sich aus, dass er seine Grenzen immer unerbittlich ausgelotet hat.

Für Typen wie den "Kandidaten", einen "Unbestechlichen" oder einen "Brubaker". Er spielte sie intensiv wie keiner sonst: der Ausnahmeschauspieler Charles Robert Redford.


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